Grausige Shoggidrinks und nicht-ausgeleckte Salatsaucen

Alsoooo. So ein liebes Keksmonster hat mir einen kleinen Kommentar hinterlassen und mich gebeten mal was von meinem Tagesablauf zu erzählen.

Grundsätzlich sieht jeder Tag etwas anders aus. Aber morgens sind normalerweise immer die Therapien in der Gruppe. Also Gruppengespräche, Kreativtherapie, Bewegungstherapie, etc. Nachmittags dann finden die Einzeltherapien statt. Aber natürlich auch nicht jeden Tag. Die Anzahl Therapiestunden ist phasenabhängig. Momentan befinde ich mich noch in Phase 1, der Eingewöhnphase. Diese dauert 4 Wochen. Danach ist der Fortschritt in den Phasen 2 und 3 Gewichts- und BMI-abhängig. Phase 4 ist die letzte Phase, die Stabilisationsphase, welche 8 Wochen dauert. Am Nachmittag habe ich in der ersten Phase immer Zimmerstunde. Das heisst ich muss irgendwo auf der Station sein und darf nicht nach draussen. In der 3. Phase dann, darf man ins EP. Also ins externe Programm. Das bedeutet, dass man ein Praktikum machen, in die Schule oder zur Arbeit gehen kann. Die meisten hier machen ein Praktikum irgendwo in der Stadt. Zum Beispiel im Blumenladen, der Kinderkrippe oder in der Bibliothek. Einmal in der Woche hat man am Nachmittag Einzelstunde bei der Psychologin und einmal Einzelbewegugnstherapie.

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Um 7:30 Uhr frühstücken wir (ausser Sonntag da gibt’s erst um 8 was zu futtern ). Für jede Hauptmahlzeit haben wir genau 45 Minuten Zeit. Für einen normalen Menschen mag dies wie eine Ewigkeit erscheinen, aber bei mir (und auch andern aus der Gruppe) ist es so, dass mindestens 1/4 des ganzen Menüs noch in den letzten 10 Minuten irgendwie reimgestopft werden muss, weil ich einfach soooo langsam esse. Durch das während der Magersucht entwickelte Essverhalten wurde das Zeitgefühl irgendwie völlig durcheinander gebracht. Auch haben alle hier ihre eigenen kleinen Angewohnheiten, die durch die Krankheit entwickelt wurden. Ich schneide zum Beispiel alles winzigst klein. Ich hab gemerkt, dass es mir so einfacher fällt…aber normal ist es keineswegs und das ist mir auch bewusst. Wahrscheinlich ist dies auch einer der Gründe, weshalb ich so viel Zeit brauche für eine Mahlzeit. Wer nach 45 Minuten noch nicht fertig gegessen hat, darf nicht weiter essen. Natürlich wird nicht auf die Sekunde genau auf die Uhr geschaut. Unser Essen kommt immer in fertigen Portionen auf einem Tablett direkt von der Uni-Spital Küche in einem Wägeli angeliefert. So kriegt jeder immer gleich viel und es kann nicht am Essen rumgemeckert werden. Natürlich gibt’s dann trotzdem die, welche meinen „Bäh du hast aber ein Erbsli mehr als ich“.  Ehrlich! Als obs drauf an käme….. Um 11:45 Uhr essen wir zu Mittag und danach haben wir immer gleich eine Essensnachbesprechung, bei welcher wir sagen müssen, was wir gegessen haben oder was nicht, wie wir uns fühlen und andere darauf aufmerksam machen, wenn sie etwas nicht gegessen haben. Oft ist es aber irgendwie nur noch ein „beschuldigen und sich rechtfertigen“. Deshalb halte ich mich da auch aus Diskussionen über nicht aufgeleckte Salatsaucen oder 2 liegengebliebene Reiskörner raus. Das ist mir dann meine Energie doch nicht wert. Einfach nur nicken und lächeln ist meine Devise!
3 Mal in der Woche ist jemand vom Pflegeteam bei den Essensnachbesprechungen dabei. Aber wirklich was zu melden haben sie nie. Auch beim Essen sind wir immer nur unter uns Frauen. Ausser am Wochenende, wenn die meisten nach Hause gehen, isst jemand vom Team mit, damit wir nicht ganz so alleine sind. Um 17:45 Uhr essen wir unter der Woche zu Abend. Samstag und Sonntag essen wir immer um 18:00 Uhr.

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Neben den 3 Hauptmahlzeiten haben wir auch noch 3 Zwischenmahlzeiten. Znüni, Zvieri und Spati (Spatimbiss). Znüni wäre um 9 Uhr, Zvieri um 15:00 Uhr und Spati um 21:00 Uhr, aber grundsätzlich können wir diese Dinger essen wann wir wollen. Zum Znüni gibt’s immer eine Frucht, zum Zvieri ein Joghurt und 1 Darvida und zum Spati entweder ein Quark oder ein Micao Shoggi Drink….Die sind zum Kotzen echt!

Aufessen muss man übrigens nicht. Wie gesagt, nichts hier ist ein MUSS. Man macht alles freiwillig. So lange man mindestens 700g in der Woche zunimmt, kann man liegen lassen was man will.

Zwei mal in der Woche werden wir gewogen und 3 mal wird der Blutdruck gemessen. Wer die 700g Zunahme nicht schafft, kriegt eine Verwarnung. Bei wiederholtem nicht Erreichen des Gewichts kriegt man dann eine Auflage und beim dritten mal heissts dann Adios!

Und ich verabschiede mich jetzt auch mal wieder von Euch und wünsche Euch einen wunderschön warmen Frühlingsabend. Und ja ich weiss, dass die Cupcakeförmchen nicht ganz Saison getreu sind, aber da ich momentan keine Fotos von lecker-schmecker Menüs machen kann, müssen halt alte Fotos herhalten. Also bis bald,

Steffi

 

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